Helden stehen in der ersten Reihe. Helden kennen keine Furcht. Helden weichen nie zurück. Diese Klischees findet man nicht selten in Fantasy-Rollenspielen. Doch dies läuft einem anderen Ziel des Pen & Paper entgegen: der Darstellung glaubhafter Charaktere. Dabei sind vor allem ganz menschliche Züge und Gefühle hilfreich: Zweifel, Furcht, Unentschlossenheit, Trauer. Wer diese im Rollenspiel berücksichtigt, erhöht die Glaubhaftigkeit und gibt dem Spielleiter gleichzeitig wertvolle Hinweise auf die Wirkung des Plots auf die Charaktere. Nur übertreiben sollte man es sicher nicht. Helden überwinden ihre Zweifel und Furcht und müssen nicht für jede Handlung vom Spielleiter getreten werden ...
Ein interessantes Beispiel gibt das Computerspiel Fable III (Lionhead Studios, 2011). Hier zeigen die Charaktere deutlich ihre Schwächen. Der Protagonist fürchtet sich vor seinem grausamen Bruder, den König, und nimmt nur zögerlich und unter Anleitung das Schwert zur Rebellion auf. In einer privaten Szene sieht man Ihn sogar zwischen Wut und Ratlosigkeit in seinem Zimmer. Sein Diener, der eher komische Züge trägt, kauert sich vor Furcht bei der Begegnung mit Fledermäusen hinter einen Stein. Auch als man durch ein magisches Portal in die Berge tritt, bemerkt ein Begleiter direkt die Kälte und lässt nach wärmerer Kleidung suchen. Diese Details machen die Welt glaubhafter und tragen sehr zur stimmigen Atmosphäre bei.
Aber sind nur Charaktere fühlende Wesen? Was ist mit Feinden und Antagonisten? Auch in guten Rollenspielrunden entsprechen diese nicht selten emotionslosen Klischees. Was treibt einen Feind an? Wofür würde er bis zum letzten kämpfen? Welche Gewissensgrenzen hat ein Schwarzmagier? Wann flieht eine Horde Orks? Folgt ein Bösewicht stets einem fiesen Meisterplan oder hat nicht auch er Zweifel und trifft manchmal irrationale Entscheidungen? Emotionen bei den Spielern entgegengesetzten NSCs beleben ein Rollenspiel und machen Konflikte und selbst Kampfsituationen lebendiger und glaubhafter.
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