Mittwoch, 6. Juli 2011

Einmal König sein

Rollenspieler stehen oft vor ganz konkreten Herausforderungen: die verschlossene Tür, das nächste Monster, das knifflige Rätsel. Doch die wenigsten Entscheidungen im wirklichen Leben haben unmittelbare Konsequenzen. Vorausdenken wird vor allem in Verantwortungspositionen erfordert, etwa vom klassischen Bürochef. Diese 'andere' Art der Herausforderung lässt sich gut in ein Spiel übertragen, wie das moderne Computerspiele Fable III (Lionhead Studios, 2011) aktuell beweist:

In Fable III schlüpft der Held in die Rolle eines Königsbruders, der seinen garstigen Verwandten zum Wohl des Volkes vom Thron stößt, nur um herauszufinden, dass das Regieren nicht so leicht ist, wie gedacht. Ständig fordert das Spiel Entscheidungen, deren Konsequenzen nur erahnt werden können. Und das Spiel reagiert gut auf die Wahl, die der Spieler trifft. Wie entscheidet er in einem Rechtsfall? Was tut er gegen Kriminalität? Opfert er seine eigene große Liebe und verschont damit eine ganze Familie unschuldiger Bauern? Am Ende kann es passieren, dass der Spieler nach dem Sieg über den unvermeidlichen Endgegner König über ein menschenleeres Ödland ist, dessen Einwohner er selbst auf dem Gewissen hat.

Ein solches Szenario ist leicht auf Rollenspiele übertragbar. Spieler in Machtpositionen stehen vor weit schwierigeren Aufgaben; für den Spielleiter ist es einfacher knifflige Entscheidungen zu fordern. Doch es muss nicht einmal die Königskrone sein. Auch im klassischen Fantasy-Abenteuer-Rollenspiel können Spieler immer wieder in solche Situationen geraten und zwar immer dann, wenn die eigentlichen Verantwortlichen tot oder unfähig sind und einfache Leute als letzte Hilfe zu den "Helden" schauen. Solche Situationen sind ein Gewinn für ernsthaftes Rollenspiel, wenn der Spielleiter es vermeidet einzelne Optionen als 'richtig' oder 'falsch' zu suggerieren. Dann sind die Spieler gefragt. Diskussionen über ein Dilemma in der Rolle können Charakteren ganz neue Tiefe verleihen und neue Sympathien innerhalb der Helden-Gruppe erzeugen. Nur übertreiben sollte man es damit nicht. Wer alle zwei Minuten über das Schicksal eines Königreiches entschieden werden muss, nimmt auch die beste Heldengruppe reißaus ...

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